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5 Tipps aus dem internationalen Hauptprogramm von Noorderzon

Das Festival Noorderzon ist der Höhepunkt des Kultursommers in Groningen. Und dieses Jahr findet bereits die36. Ausgabe statt. Vom 20. bis einschließlich 30. August versammelt sich eine bunte Mischung aus Bühnenkünstlern, lokalen Talenten und Künstlern im stimmungsvollen Noorderplantsoen sowie an vielen Orten in der Stadt, darunter Martiniplaza und Vera. Wir geben Ihnen schon einmal fünf Tipps für Veranstaltungen, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten.​

Blackface | Ein kritischer Blick auf Rassismus und Repräsentation

Eine Late-Night-Show im Stil der bekannten amerikanischen Vorbilder – und natürlich mit unserem eigenen Lubach –, mit Musik, Satire und direkter Interaktion mit Ihnen als Publikum. Der portugiesische Theatermacher Marco Mendonça greift dieses vertraute Format auf und füllt es mit etwas, das noch allzu oft vermieden wird: einem offenen und manchmal unangenehm ehrlichen Gespräch über Rassismus und Repräsentation. Blackface, die rassistische Praxis, bei der weiße Darsteller sich als karikaturhafte schwarze Figuren schminken, blickt auf eine lange Geschichte der Stereotypisierung zurück. Mendonça untersucht, wie diese Praxis entstehen konnte, warum sie lange Zeit als normal galt und was unser verändertes Denken darüber aussagt, wie wir Rassismus heute verstehen. Er tut dies nicht aus der Distanz, sondern geht ganz nah an das Thema heran. Intelligent, provokativ und überraschend zugänglich: keine Predigt, sondern eine Einladung zu einem dringend notwendigen Gespräch.

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Burnt Toast | Ein beklemmendes Spiel zwischen Sehnsucht und Kontrollverlust

Wir befinden uns im Süden der Vereinigten Staaten, in einer leuchtend roten Hotellobby. Die Rezeptionistin Betty tippt unbeeindruckt weiter, als Danny hereinkommt, einen silbernen Koffer an seinem Handgelenk festgekettet. Eigentlich möchte er ins Museum, bleibt jedoch stehen, als er Violet sieht: Sie sitzt dort, trinkt und stillt ihr Baby. Sie kommen ins Gespräch, und etwas verändert sich. In „Burnt Toast“ des norwegischen Kollektivs Susie Wang kippt diese alltägliche Situation langsam um: Die Zeit verliert ihre Richtung, Szenen gehen fließend ineinander über und das Vertraute bekommt einen ausgefransten Rand. Mit einem körperbetonten, bildhaften Stil, in dem sich Text in Atmosphäre auflöst, entsteht eine Welt, in der die Kontrolle immer wieder aus den Händen gleitet. Die Inszenierung ist Teil einer vielgelobten Horror-Trilogie über die menschliche Natur, und die „New York Times“ bezeichnete sie als eine beunruhigende, aber zarte Geschichte über Liebe und Kannibalismus.

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Trànsit | Verloren in der Farbe

Rot bedeutet „Stopp“. Grün bedeutet „Los“. Doch was, wenn diese Grenze verschwindet? Am großen Teich im Noorderplantsoen erleben Sie – mit Kopfhörern und umgeben von Wasser und Licht –, wie das katalanische Duo cabosanroque und Studio Animal die Ampel aus ihrem Kontext lösen und sie in ein sinnliches Instrument verwandeln. Rot geht in Grün über, Farben schließen sich nicht mehr gegenseitig aus, und das System, das uns täglich lenkt, verliert seinen Einfluss. Was bleibt, ist ein Spiel aus Licht, Wahrnehmung und Desorientierung, in dem intensive Reflexionen und Nachbilder Farben hervorrufen, die jenseits der drei ursprünglichen Signale existieren. Kontrolle kippt in Freiheit um, Richtung in Irrweg. Cabosanroque, im vergangenen Jahr bekannt durch „Sous les violons, la plage“ (Sie wissen schon, das mit dem Werfen von Steinen auf Instrumente), schafft Werke an der Schnittstelle von Klang, Technologie und bildender Kunst. Mit dieser niederländischen Premiere lässt Trànsit Sie in das eintauchen, was geschieht, wenn die Regeln verschwimmen.

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Extra Motivated People | Wir werden sehen, wie es läuft

Sie bringen die Sonne mit, sie haben Energie, und sie haben einen Plan, auch wenn niemand genau weiß, was für einen. Luis und Pere sind schon fast ihr halbes Leben lang Freunde, und das merkt man. Als Losinformalls bewegen sie sich zwischen Tanz, Theater und „Mal sehen, was passiert“ – mit einer „Fuck-it“-Mentalität, die zugleich fröhlich und kompromisslos ist. Sie suchen keine Konfrontation, sondern Begegnung. Dieses Mal spielen sie improvisiert und unvorhersehbar im öffentlichen Raum des Noorderplantsoen. Sie laden ein und provozieren; mitmachen ist erlaubt, zuschauen ebenfalls – und sollte alles schiefgehen, machen sie einfach weiter. In ihren ersten Werken haben sie nämlich entdeckt, dass auch das Scheitern eine Kunstform ist, und seitdem spielen sie mit der Frage, wie hart wir eigentlich für etwas arbeiten müssen, das keinen Sinn ergibt. Nach ihrem ausverkauften Hit „PERDÓN“ aus dem letzten Jahr sind sie zurück beim Noorderzon: rauer, lockerer und weiter von der Bühne entfernt. Diese Vorpremiere ist für uns eine ebenso große Überraschung wie für Sie.

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Tell Daddy | Was nie ausgesprochen wurde

Wollten Sie Ihrem Vater schon immer einmal etwas sagen, haben es aber nie getan? In „Tell Daddy“ lädt Bush Hartshorn Sie zu einem persönlichen Gespräch ein, in dem Raum für all das ist, was nie ausgesprochen wurde. Sie setzen sich zu ihm und erzählen ihm, was Sie schon immer hätten sagen wollen, aber aus welchem Grund auch immer nie sagen konnten. Er hört zu. Er selbst spricht Englisch, aber Sie verwenden einfach die Sprache, in der Sie sich am wohlsten fühlen, und alles, was Sie mitteilen, bleibt absolut vertraulich. Keine Aufführung im klassischen Sinne, sondern eine zutiefst persönliche, nicht-performative Erfahrung an der Schnittstelle zwischen Therapie und einem sanften Gespräch mit einem nahestehenden Menschen. Persönlich, verletzlich und ganz und gar Ihr eigenes Erlebnis. Mit dieser niederländischen Premiere macht Bush Hartshorn im Noorderplantsoen Station, und Sie sind herzlich willkommen.

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