In den Details der Gebäude lässt sich die Geschichte der Stadt ablesen. Schriftarten, Zahlen und Zeichen erzählen Geschichten über die Funktion eines Gebäudes und die Zeit, in der es erbaut wurde. Als angewandte Kunst verschwinden sie manchmal unbemerkt aus dem Straßenbild – schade, denn gerade diese Fassadentexte und Wandwerbungen bewahren ein Stück Stadtgeschichte. Von der Regenmantelfabrik bis zur alten Metzgerei: Überall in der Stadt sind sie zu finden. Begeben Sie sich mit uns auf eine Typosafari?
Simplon
Boterdiep – Am Boterdiep erklingt bereits seit über vierzig Jahren Musik hinter der Fassade. Simplon entwickelte sich zu einer festen Größe in der Groninger Kulturszene, in der elektronische Beats, Jazz und Punk ihren Platz fanden. Doch schauen Sie nach oben: Oben im Dachfirst steht noch immer „Weatherproofs“. Man braucht gute Augen, um es zu entdecken. Der Name bezieht sich auf die gleichnamige Regenmantelfabrik, die hier einst ansässig war. Als das Gebäude in den 70er Jahren leer stand, wurde es von Hippies und Künstlern besetzt, die es zu einer eigenwilligen Popbühne umgestalteten.
SieheBerufsschule
Petrus-Driessenstraße – Die „Nijverheidsschool“ aus dem Jahr 1922 ist noch immer in den Fliesen des Wiebengacomplex verewigt. Das Gebäude von Wiebenga und Van der Vlugt war das erste Beispiel für die Neue Sachlichkeit, auch „Het Nieuwe Bouwen“ genannt. Damals fand das moderne Design keinen Anklang, doch was einst umstritten war, wird heute geschätzt. Nach dem Verfall in den 1960er- und 1970er-Jahren wurde es gerettet und erhalten (wischen Sie für ein Foto aus dem Jahr 1966, Groninger Archiv). Heute beherbergt das Gebäude Studiengänge im Bereich Gesundheitswesen der Hanzehogeschool Groningen.
SieheMilchverarbeitungsbetrieb „Stad en Lande“
Noorderhaven – Molkerei: Der Name des Gebäudes „Stad en Lande“ am Noorderhaven verrät es eigentlich schon. Früher kamen die Bauern noch mit Karren hierher, um ihre Milch abzugeben. Das Gebäude wurde um 1909 als genossenschaftliche Molkerei errichtet, in der Milch aus der Region zu Milchprodukten verarbeitet wurde. Es war ein Meilenstein im Übergang von Bauern, die ihre Milch selbst verkauften, hin zur modernen Milchwirtschaft (wischen Sie für eine Postkarte aus dem Jahr 1905, Groninger Archiv). Bereits in den 1920er Jahren verschwand diese Funktion, und das Gebäude wurde zu Wohnzwecken genutzt.
SieheInsulinde
Het Klooster – An der Fassade von „Het Klooster“ steht noch immer „Insulinde“. Im Jahr 1927 bezog die Kaffee- und Teefabrik hier ihre Räumlichkeiten, deren Komplex sich bis zur Oude Ebbingestraat erstreckte: Laden und Büro im vorderen Bereich, Fabrik mit Maschinen sowie ein Be- und Entladebereich im hinteren Teil. Der Name bezieht sich auf den indischen Archipel (das heutige Indonesien). Im Jahr 1974 übernahm Tiktak das Unternehmen, wobei lediglich der Name erhalten blieb. Heutzutage sind in dem Gebäude zwei Tanzschulen untergebracht.
SieheTabakfabrik Firma P. Koning
W.A. Scholtenstraat – Die Groninger Tabakindustrie ist nicht mehr das, was sie einmal war, und das ist gut für unsere Lungen. Einst gab es in der Stadt zahlreiche große und kleine Fabriken, in denen Kautabak und Rauchwaren hergestellt wurden. Einige wurden später von Niemeyer übernommen, andere verschwanden aus dem Straßenbild. Der Name P. Koning lebt vor allem noch in diesem Fliesenbild weiter. Nach der Übernahme durch R.A.J. Loot erhielt das Firmengebäude „De Tabaksplant“ im Jahr 1922 ein solches Kachelbild mit dem Namen P. Koning. Heutzutage wird das Gebäude zu Wohnzwecken genutzt.
SieheHandarbeit und Heimwerk
Walstraat – Die Schule für Handarbeit und Hauswirtschaft, von den Groningern auch „Snieschoule“ genannt, begann 1892 als Fabrikschule und entwickelte sich zu einem Ort, an dem mit den Händen gearbeitet wurde: von Holz und Kupfer bis hin zu Zeichnen und Handarbeit. Das Gebäude an der Walstraat wurde 1913–1914 als Schule für Handarbeit und Hauswirtschaft errichtet. Später verlagerte sich der Schwerpunkt auf berufsvorbereitenden Unterricht und kreative Kurse für Erwachsene. Die Kreativität ist hier nie wirklich verschwunden; heute ist hier „Tumult“ ansässig, das Kurse in bildender Kunst anbietet (wischen Sie weiter für Archivfotos aus den 60er- und 70er-Jahren sowie vom Gebäude um 1913, Groninger Archiv).
SieheGrijpma & De Hosson
W.A. Scholtenstraat – Heutzutage ist dies vor allem eine Straße für Studenten, Radfahrer und eilige Passanten auf dem Weg ins Zentrum oder zum UMCG. Anfang der 1920er Jahre befanden sich hier Großhandelsunternehmen und Betriebe, die die Stadt versorgten. Das Gebäude von Grijpma & De Hosson wurde in dieser Zeit als Großhandel für Trockenwaren, Chemikalien und Gewürze errichtet. Über der Tür ist dies noch immer in der schlichten Schriftart der 1920er Jahre zu lesen. Die Firma brachte Produkte wie Hustensaft, Warzentinktur, Hühneraugensalbe und medizinische Teerseife auf den Markt (wischen Sie für ein Foto aus dem Jahr 1922, Groninger Archiv).
SieheGarage
Radebinnensingel – An der Radebinnensingel ist noch die Fassade der ehemaligen Garage Van Heukelem zu sehen. Ein kubistisches Gebäude im Stil der Amsterdamer Schule aus dem Jahr 1931, entworfen vom Groninger Architekturbüro Nijhuis & Reker. Über dem Rollladen steht noch immer das Wort „Garage“ in schrägen Buchstaben – ein deutlicher Hinweis darauf, was sich hier einst befand. Die hölzernen Garagentore sind verschwunden und wurden durch einen Rollladen ersetzt.
SieheHollandsche Fruitwinkel
Gedempte Zuiderdiep – Wo Sie heute Pizza essen, kauften Sie früher Obst und Gemüse. Vor dem Krieg befand sich hier ein Obst- und Gemüseladen, vermutlich unter dem Namen „De Hollandsche Fruitwinkel“. Diese Geschichte ist noch immer an der Fassade zu sehen. Das Jugendstil-Fliesenbild zeigt verschiedene Obst- und Gemüsesorten und verdeutlicht, was hier einst verkauft wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt das Gebäude eine neue Bestimmung als Restaurant.
Mehlfabrik Friso
Eendrachtskade Nordseite – Entlang des Eendrachtskanals entstanden zu Beginn des letzten Jahrhunderts Lagerhäuser, Lagerräume und Fabriken. Auch die Mehlfabrik Friso wurde hier errichtet: ein Ort, an dem Mehl für die wachsende Stadt gelagert und gehandelt wurde. Mittlerweile liegen dort keine Mehlsäcke mehr, doch die Buchstaben sind noch immer zu sehen und erinnern an eine Zeit, in der der Kanal das Reich des Handels, der Lagerung und der Industrie war.
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